Vor gut zwei Wochen fand in Berlin die Microstock Expo statt, eine der weltweit wichtigsten Kongresse der Branche. Wir haben uns überlegt, dazu einfach zwei Vertreter zu befragen, die für uns das Wichtigste der Expo zusammenfassen. Interessante Einblicke sind das, vielen Dank an dieser Stelle an Robert Kneschke und Klaus Plaumann für die spannenden Antworten!
Da trifft sich die Microstock-Szene genau in der Zeit, in der eine der ersten Microstocks, nämlich istockphoto, sich von diesem Begriff distanziert und sich jetzt istock nennt und als „Midstock“ bezeichnet. Man sieht´s am Preis vieler Bilder, die hier nicht mehr eine Handvoll Credits kosten, sondern 20 bis 160 Credits, je nach Dateigröße – und mit den entsprechenden Erweiterungslizenzen für Konzernnutzung und unbegrenzte Auflage ein Preisniveau erreichen, das wir von klassischen lizenzfreien Bildern kennen. Und vielleicht deshalb war istockphoto auf der Microtock Expo überhaupt nicht vertreten. Das verwunderte – und so wurde halt über istock geredet anstatt mit ihnen. Robert Kneschke, Fotograf und Blogger (www.alltageinesfotoproduzenten.de) hat dafür eine Agentur entdeckt, die wir bereits im September vorstellten: „Mir ist Stocksy positiv aufgefallen. Die sind authentisch und haben mit ihrer Genossenschaftsidee aus meiner Sicht gute Chancen, unabhängig am Markt zu bestehen.“
Und Klaus Plaumann, Branchenkenner mit mehr als 20 Jahren Erfahrung, wundert sich, warum so wenige klassische Agenturen zugegen waren: „Die Microstock Expo ist naturgemäß eine Messe für die Generation Smartphone. Also für die Generation, die Branchenveränderungen als normal empfindet und sich nicht über den Verlust der alten Zeiten beschwert. Trotzdem beziehungsweise genau deshalb frage ich mich: Wo waren die Macrostock-Vertreter? Wollen die denn gar nicht wissen, was die so enorm wachsende Konkurrenz macht? Und wo waren die Fotografenverbände? Ich bin der Meinung, dass man sich auf der Microstock Expo am besten inspirieren lassen kann, wohin die Reise der Märkte geht, wie man sich darauf einstellen kann und welche Stellschrauben man drehen muss, welche Geschäftsmodelle geeignet sind, um sich auf dem Bildermarkt zu behaupten. Diese Chance sollten alle nutzen, schließlich wächst der Microstock-Markt schneller als alle anderen. Allein Shutterstock verkauft angeblich drei Fotos pro Sekunde.“
Der Markt an sich ist durch die geringen Margen für Fotografen ziemlich getrieben und unruhig. Vor allem die professionellen Fotografen machen ihre Pfunde: In den großen Microstocks sind sie am meisten gefragt. Die Idee vom Microstock als Marktplatz für den privaten Selten-Fotografen fällt zugunsten einiger weniger Bilder-Fabriken hinten runter. Das zeigt sich bereits in den Suchergebnissen der Portale: bei shutterstock zum Beispiel kommen auf eine Suche nach „business woman smiling“ zuerst die Bilder von Andres Rodriguez, Pressmaster, Dotshock, die jeweils mehr als 40.000 Bilder bei shutterstock liegen haben und regelmäßig neue Bilder hochladen – Kriterien, die in den Suchmaschinen einen Platz weit vorne bestimmen. Was bedeutet das für Sie? Die Chance, Bilder zu kaufen, die schon oft gekauft und überall zu sehen sind, ist hoch. Chance? Oder Gefahr?
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Dienstag, 3. Dezember 2013
Dienstag, 1. November 2011
Unser Thema des Monats: Microstock
Der Markt ist ohne gar nicht mehr vorstellbar, auch wenn wir uns das sicher so nicht gewünscht haben: Microstock-Agenturen haben sich in Windeseile ihren Platz ergattert. Diese Woche öffnet gar die erste Fachmesse für Microstock-Agenuren ihre Pforten in Berlin.
Es ist die Zeit der knappen Kassen und so manche Kommunikationsidee ist sicherlich durch Microstock-Bildmaterial prima umzusetzen, doch: ist das gesund? Ob und wie man von Microstockfotografie leben kann, dokumentiert der Fotoproduzent Robert Kneschke in seinem Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“. Auf seine Art wirklich bemerkenswert.
Wir wollen Microstock jetzt gar nicht so negativ bewerten, wie es vielleicht rüberkommt, dennoch fragen wir uns, wohin die Reise geht. Die Qualität der Fotos ist eindeutig in den Hintergrund getreten, die Würdigung von professioneller Fotografie ebenfalls. Aber der Markt fordert es und so hat Bruce Livingstone im Jahr 2000 mit iStockphoto einen goldenen Stein ins Rollen gebracht – zumindest für sich und die anderen Microstockagenturen, die sich seither etabliert haben. iStockphoto wurde 2006 für $ 50 Mio. von Getty gekauft, andere Übernahmen (wie z. B. Veer durch Corbis oder crestock durch Masterfile) sind seither gefolgt. Seither verschwimmen die Grenzen. Wer im Macrostock nicht gut performed, wird eben in den Microstock degradiert. Teure RF-Bilder werden parallel auf Thinkstock zu Microstock-Preisen und –lizenzen angeboten. Und umgekehrt wandern erfolgreiche Bilder und Kollektionen in den Macrostock, sobald sie sich auffällig gut verkaufen. So ist das Geschäft mit Bildern extrem unübersichtlich und unberechenbar geworden.
Naürlich haben Microstock-Agenturen auch ihre Vorteile. Sie bieten einen schnellen und preisgünstigen Zugriff auf gewaltige Bilddatenbanken und schützen so vor Missbrauch oder Bildklau im Netz. Wer bei einem 5-Euro-Bild noch das Wasserzeichen rausstempelt, ist selber schuld. Außerdem bieten die Microstocks auch Amateurfotografen eine professionelle Plattform. Und das Mitmischen von Größen wie Getty oder Corbis machte das Ganze hoffähig. Doch inzwischen werden keine Geschäftszahlen mehr veröffentlicht. Liegt es daran, dass das rasante Wachstum vorbei ist? Oder werden die ersten Börsengänge vorbereitet? Wir sind gespannt.
Neben den großen ist auch noch Platz für kleinere Microstockagenturen wie Shotshop in ihrer qualitativen Bildauswahl hervorzuheben. Hier finden gute Produktionen von Amateurfotografen ihren Platz, einige etablierte Künstler bieten hier ein Zweitportfolio an. Auch tun sich wieder neue Portale auf – wie zum Beispiel pond5.com.
Ja, und dann jetzt diese Fachveranstaltung in Berlin, die Microstockexpo. Was das wohl wird? Die Bildbeschaffer werden das natürlich beobachten.
Bei alledem: Wir Bildbeschaffer arbeiten auf sehr pragmatische Weise mit Microstocks. Viele Projekte lassen sich mit Macrostock-Bildern nicht realisieren. Die unglaubliche Masse an Bildern erhöht die Trefferquote. Wenn die Microstock-Basis-Lizenzen nicht ausreichen, kümmern wir uns um die nötigen Erweiterungslizenzen – zum Beispiel für die konzernweite Nutzung. Ist ein Abo sinnvoller als einzelne Downloads? Und wir beobachten genau, wohin die Reise geht.
Es ist die Zeit der knappen Kassen und so manche Kommunikationsidee ist sicherlich durch Microstock-Bildmaterial prima umzusetzen, doch: ist das gesund? Ob und wie man von Microstockfotografie leben kann, dokumentiert der Fotoproduzent Robert Kneschke in seinem Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“. Auf seine Art wirklich bemerkenswert.
Wir wollen Microstock jetzt gar nicht so negativ bewerten, wie es vielleicht rüberkommt, dennoch fragen wir uns, wohin die Reise geht. Die Qualität der Fotos ist eindeutig in den Hintergrund getreten, die Würdigung von professioneller Fotografie ebenfalls. Aber der Markt fordert es und so hat Bruce Livingstone im Jahr 2000 mit iStockphoto einen goldenen Stein ins Rollen gebracht – zumindest für sich und die anderen Microstockagenturen, die sich seither etabliert haben. iStockphoto wurde 2006 für $ 50 Mio. von Getty gekauft, andere Übernahmen (wie z. B. Veer durch Corbis oder crestock durch Masterfile) sind seither gefolgt. Seither verschwimmen die Grenzen. Wer im Macrostock nicht gut performed, wird eben in den Microstock degradiert. Teure RF-Bilder werden parallel auf Thinkstock zu Microstock-Preisen und –lizenzen angeboten. Und umgekehrt wandern erfolgreiche Bilder und Kollektionen in den Macrostock, sobald sie sich auffällig gut verkaufen. So ist das Geschäft mit Bildern extrem unübersichtlich und unberechenbar geworden.
Naürlich haben Microstock-Agenturen auch ihre Vorteile. Sie bieten einen schnellen und preisgünstigen Zugriff auf gewaltige Bilddatenbanken und schützen so vor Missbrauch oder Bildklau im Netz. Wer bei einem 5-Euro-Bild noch das Wasserzeichen rausstempelt, ist selber schuld. Außerdem bieten die Microstocks auch Amateurfotografen eine professionelle Plattform. Und das Mitmischen von Größen wie Getty oder Corbis machte das Ganze hoffähig. Doch inzwischen werden keine Geschäftszahlen mehr veröffentlicht. Liegt es daran, dass das rasante Wachstum vorbei ist? Oder werden die ersten Börsengänge vorbereitet? Wir sind gespannt.
Neben den großen ist auch noch Platz für kleinere Microstockagenturen wie Shotshop in ihrer qualitativen Bildauswahl hervorzuheben. Hier finden gute Produktionen von Amateurfotografen ihren Platz, einige etablierte Künstler bieten hier ein Zweitportfolio an. Auch tun sich wieder neue Portale auf – wie zum Beispiel pond5.com.
Ja, und dann jetzt diese Fachveranstaltung in Berlin, die Microstockexpo. Was das wohl wird? Die Bildbeschaffer werden das natürlich beobachten.
Bei alledem: Wir Bildbeschaffer arbeiten auf sehr pragmatische Weise mit Microstocks. Viele Projekte lassen sich mit Macrostock-Bildern nicht realisieren. Die unglaubliche Masse an Bildern erhöht die Trefferquote. Wenn die Microstock-Basis-Lizenzen nicht ausreichen, kümmern wir uns um die nötigen Erweiterungslizenzen – zum Beispiel für die konzernweite Nutzung. Ist ein Abo sinnvoller als einzelne Downloads? Und wir beobachten genau, wohin die Reise geht.
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